Zivilschutz fehlen 15'000 Leute: Bundesrat greift jetzt auf Zivildienstpflichtige zurück

(Bern). Dem Schweizer Zivilschutz fehlen Tausende Einsatzkräfte. Statt der angestrebten 72’000 Angehörigen standen Anfang 2025 nur rund 57’000 Personen zur Verfügung.

Der Bundesrat hat deshalb neue Regeln beschlossen: Ab dem 1. Januar 2027 können Zivildienstpflichtige bei nicht ausgleichbaren Personalengpässen zu Einsätzen im Zivilschutz verpflichtet werden. Damit soll der Bevölkerungsschutz bei Katastrophen und Notlagen gestärkt werden.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • 15’000 Personen fehlen: Anfang 2025 zählte der Zivilschutz 57’000 statt 72’000 Angehörige.
  • Neue Regel: Zivildienstpflichtige können bei nicht ausgleichbarem Unterbestand im Zivilschutz eingesetzt werden.
  • Ab wann: 1. Januar 2027.
  • Ziel: Genügend Einsatzkräfte für Katastrophen, Notlagen und den Bevölkerungsschutz.

Bundesrat setzt neue Zivilschutzregeln in Kraft

Zur Verbesserung der Bestände im Zivilschutz hat das Parlament am 21. März 2025 die Teilrevision des Bundesgesetzes über den Bevölkerungsschutz und den Zivilschutz (BZG) verabschiedet. Darin wird insbesondere festgehalten, dass Zivildienstpflichtige verpflichtet werden, einen Teil ihres Zivildienstes in einer Zivilschutzorganisation zu leisten. Die Umsetzung dieser Revision erfordert eine Anpassung mehrerer Verordnungen. Diese Änderungen sind grösstenteils organisatorischer sowie administrativer Natur und betreffen in erster Linie die Kantone. Der Bundesrat hat an seiner Sitzung vom 21. Oktober 2026 diese Verordnungsanpassungen gutgeheissen und diese sowie auch das teilrevidierte BZG per 1. Januar 2027 in Kraft gesetzt.

Die Bestände im Zivilschutz sind seit Jahren rückläufig. Die angestrebte Zielgrösse von 72’000 Zivilschutzangehörigen wird seit Jahren nicht mehr erreicht: Per 1. Januar 2025 lag der Ist-Bestand bei lediglich 57’000 Zivilschutzangehörigen. Setzt sich der aktuelle Trend von etwa 4’500 Neurekrutierten pro Jahr fort, sinkt der Gesamtbestand bis 2030 auf rund 50’000 Zivilschutzangehörige. Für die Bewältigung von Katastrophen, Notlagen und für den bewaffneten Konflikt sind ausreichende Bestände im Zivilschutz zentral. Nur mit ausreichenden Beständen können die Kantone und Gemeinden ihre Bevölkerung adäquat schützen.

Zivilschutz: So gross ist die Personallücke

Zielbestand: 72’000 Personen

Tatsächlicher Bestand Anfang 2025: 57’000 Personen

Das bedeutet: Rund 21 Prozent weniger Einsatzkräfte als angestrebt. Ohne Gegenmassnahmen könnte der Bestand laut Prognose bis 2030 auf etwa 50’000 Personen sinken.

Zur Verbesserung der Bestände im Zivilschutz hat das Parlament im März 2025 eine Teilrevision des BZG verabschiedet. Zur Umsetzung dieser Revision hat der Bundesrat daher die erforderlichen Anpassungen der Zivilschutzverordnung, der Zivildienstverordnung, der Verordnung über die Datenbearbeitung im automatisierten Informationssystem des Zivildiensts, der Verordnung über militärische und andere Informationssysteme im VBS sowie der Verordnung über die persönliche Ausrüstung der Armeeangehörigen vorgenommen.

Zivildienst stützt den Zivilschutz

Mit den vorliegenden Änderungen setzt der Bundesrat insbesondere die im BZG vorgesehene Massnahme um, wonach zivildienstpflichtige Personen für den Zivilschutz verpflichtet werden, wenn ein Unterbestand nicht zwischen den Kantonen ausgeglichen werden kann. Der Einsatz in einer Zivilschutzorganisation erfolgt als Zivildiensteinsatz im Rahmen ihrer Zivildienstpflicht. Die Zivilschutzorganisationen gelten im Zusammenhang mit diesen Dienstleistungen als Einsatzbetriebe des Zivildienstes.

Was ändert sich für Zivildienstpflichtige?

Keine automatische Zuweisung aller Zivis: Ein Einsatz im Zivilschutz kommt infrage, wenn ein Personalengpass nicht durch einen Ausgleich zwischen den Kantonen behoben werden kann.

Es bleibt Zivildienst: Der Einsatz in einer Zivilschutzorganisation zählt als Teil der bestehenden Zivildienstpflicht.

Wohnort und Sprache zählen: Bei der Zuweisung sollen diese beiden Kriterien vorrangig berücksichtigt werden.

Näher geregelt werden insbesondere das Einsatzverfahren sowie die Rechte und Pflichten von zivildienstpflichtigen Personen, die in einer Zivilschutzorganisation Zivildienst leisten. Wie bei den Schutzdienstpflichtigen werden bei der Zuweisung vornehmlich der Wohnort und die Sprache der zivildienstpflichtigen Personen berücksichtigt.

Die Vorlage enthält zudem Ausführungsbestimmungen zur Berechnung des Sollbestands, zum Ausgleich eines Unterbestands sowie zur Grundausbildung. So werden unter anderem die Kriterien für die Festlegung des Soll-Bestandes geregelt oder in welchen Fällen bei Personen, die freiwillig Zivilschutz leisten, eine Verkürzung der Grundausbildung möglich ist.

Die Vorlage tritt am 1. Januar 2027 in Kraft.

Polizei.news informiert | Zivilschutz und Zivildienst

Zivilschutz oder Zivildienst – was ist der Unterschied?

Zivilschutz: Unterstützt die Bevölkerung bei Katastrophen und Notlagen. Zu den Aufgaben gehören beispielsweise Betreuung, Evakuationen und die Unterstützung von Einsatzkräften.

Zivildienst: Ist ein Ersatzdienst für militärdienstpflichtige Personen, die aus Gewissensgründen keinen Militärdienst leisten. Einsätze erfolgen unter anderem im Gesundheits-, Sozial- und Umweltbereich.

Neu ab 2027: Wenn sich ein Personalmangel im Zivilschutz nicht zwischen den Kantonen ausgleichen lässt, können Zivildienstpflichtige dort eingesetzt werden. Diese Einsätze zählen weiterhin als Zivildienst.

 

Quelle: Der Schweizerische Bundesrat
Bildquelle: Symbolbild © Ukwaseem123/Shutterstock.com

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