Schweiz: 40'000 Wanderunfälle pro Jahr – zwei Drittel gehen trotz Angst einfach weiter

Jedes Jahr verunfallen zahlreiche Menschen auf Bergwanderwegen, einige davon tödlich.

Eine neue Erhebung der BFU zeigt: Viele Wandernde erkennen kritische Situationen zwar, treffen dann aber nicht die sicherste Entscheidung.

Über zwei Drittel passieren trotz Angst oder Unsicherheit eine heikle Passage. Dabei können gerade die eigenen Warnsignale helfen, Gefahren rechtzeitig zu erkennen. Die BFU zeigt auf, worauf Wandernde achten sollten.

Weit über die Hälfte der Schweizer Bevölkerung wandert regelmässig, und die meisten kehren unversehrt von einer Bergwanderung zurück. Trotzdem ist der beliebte Volkssport nicht ohne Risiko: Jährlich verunfallen beim Wandern und Bergwandern rund 40 000 Schweizerinnen und Schweizer, 45 davon tödlich – meist durch einen Absturz. Um Unfälle zu verhindern, ist es entscheidend, zu verstehen, wie Wandernde in kritischen Situationen handeln. Hier setzt die aktuelle Erhebung der BFU an.

Viele gehen trotz Bedenken weiter

Fast 70 % der befragten Wandernden sind auf einer Bergwanderung schon einmal auf eine heikle Passage gestossen, also auf eine Stelle, die Angst oder Unsicherheit auslöst. Am häufigsten handelte es sich dabei um Passagen mit erhöhter Absturzgefahr (45 %) und schwindelerregendem Tiefblick (36 %). Auch technisch anspruchsvolle Abschnitte (18 %) und Schneefelder (17 %) brachten einige Wandernde an ihre Grenzen.

Trotz all dem gingen mehr als zwei Drittel der Betroffenen weiter. Besonders häufig passierten jüngere und weniger erfahrene Personen solche Stellen, während ältere und erfahrene Bergwandernde deutlich häufiger umkehrten. Die Folgen können gravierend sein: Die Überforderung erhöht das Risiko für einen Unfall. Das berichteten auch zwei der Befragten, die trotz ungutem Gefühl weitergingen, abstürzten und mit dem Helikopter geborgen werden mussten. Die neue Erhebung zeigt: Selbst wenn Wandernde Warnsignale wahrnehmen, treffen sie nicht immer die richtige Entscheidung.

Die richtige Einstellung erhöht die Sicherheit

Warum gehen Wandernde trotz ungutem Gefühl häufig weiter? Die Gründe dafür sind vielfältig: unter anderem fehlende Umkehrmöglichkeiten, Zeitdruck, Gruppendruck oder Ehrgeiz. Diese Faktoren können dazu führen, dass Risiken nicht ernst genommen werden. Die BFU empfiehlt deshalb:

  • Eine Tour wählen, die zu den eigenen Fähigkeiten und der aktuellen Verfassung passt
  • Tour so planen, dass Umkehr- oder Ausweichmöglichkeiten von Anfang an bekannt sind
  • Ein ungutes Gefühl als Warnsignal ernst nehmen, rechtzeitig umkehren oder Ausweichvariante wählen
  • Auf schwächere Gruppenmitglieder achten und die Tour an deren Können anpassen
  • Genügend Zeitreserven einplanen, um nicht unter Zeitdruck eine heikle Passage passieren zu müssen

Damit aus dem Bergerlebnis kein Unfall wird

Wer Warnsignale ernst nimmt und die eigenen Fähigkeiten realistisch einschätzt, ist sicherer unterwegs. Bergwandern erfordert je nach Route Fitness, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Ebenso wichtig ist es, eine Tour zu wählen, die zu den eigenen Fähigkeiten passt. Diese Botschaften stehen auch im Zentrum des Portals sicher-bergwandern.ch. Wandernde finden dort Tipps, Packlisten und einen Selbsttest.

 

Quelle: BFU
Bildquelle: Symbolbild © AscentXmedia/iStock.com

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